Letzte Woche haben wir darüber berichtet, dass Kinder, die ab dem Schuljahr 2026/2027 eingeschult werden, einen Anspruch auf Ganztagesbetreuung in der Schule haben. Wir haben gemerkt, wie sehr euch das Thema bewegt! Manche finden die Betreuung für Kindern am Nachmittag prima, viele ist sie allerdings auch ein Graus.
Wir haben zwei Mamas mit gegensätzlicher Meinung befragt, was ihre Erfahrungen mit Ganztagsschulen sind:
Luisa (31, eine Tochter (8): „Bei unserer Schule geht das Konzept jedenfalls nicht auf!“
„In der Grundschule meiner Tochter ist das Konzept Ganztag schon seit jeher Praxis. ,Freiwillig`, ja…. zumindest so halb. Denn es gibt tatsächlich nur zwei Abholzeiten: Um 13.30, nachdem der reguläre Unterricht endet – oder ab 16 Uhr. Der Gedanke dahinter: Die ,Nachmittagskinder` suchen sich an den meisten Tagen mittags ihre Nachmittagsaktivitäten aus und sollen aus diesen dann nicht zwischendurch herausgerissen werden. Hört sich gut an, in der Praxis finde ich es aber echt doof. Ich schaffe es durch meinen Job nicht, um halb zwei an der Schule zu stehen…. Ich könnte mein Kind aber um viertel nach zwei abholen, das wäre eine Zeit, die ich für Grundschüler noch okay finde. Geht aber nicht.
Also hole ich sie um 16 Uhr ab. Todmüde und an den meisten Tagen mehr als „Feierabendreif“. Schlimm genug. Schlimmer ist aber: Manchmal hat sie dann noch gar keinen Feierabend! Sondern noch Hausaufgaben, die sie auch in der Schule hätte erledigen können. KÖNNEN! Achtjährige Schulkinder haben wirklich die Wahl, ob sie nachmittags die Hausaufgabenbetreuung besuchen oder sich doch lieber eines der – zugegeben echt coolen – Sport- Musik- oder Bastelangebote schnappen. Mal im Ernst: Ich bin 31 und wüsste bei der Entscheidung, wie ich sie treffen würde!
Und natürlich fehlt einem Kind, dass gerade den Vormittag voller Unterricht hinter sich hat, die Weitsicht, sich hier für die Hausaufgaben zu entscheiden. Damit es um 16 Uhr dann auch wirklich Feierabend hat. Und ganz ehrlich gesagt: Natürlich unterstütze ich sie, wo ich kann – aber auch ich würde den sowieso schon so kurzen Nachmittag mit meiner Tochter lieber auf dem Spielplatz oder auf dem Sofa genießen. Ach ja, und für Klausuren lernen müssen wir dann natürlich auch ab 16 Uhr. Dass die Laune dabei nicht so besonders gut ist, kann man sich ja denken. (Anm. d. Red.: Hier lest ihr Tipps, wie das gemeinsame Lernen leichter wird.)
Also, ich bin gar nicht grundsätzlich gegen das Konzept der Ganztagsschule. Es ist ja ein Segen für Eltern, die länger arbeiten müssen. Aber ich finde es nicht gut, wenn es zum Zwang wird oder aber wie bei uns, in starre Zeiten gepresst wird. Und wenn die Zeit dann nicht einmal teilweise für Hausaufgaben und Co. verwendet wird, ist es wirklich purer Stress für die Kids!“
Kim (42, Zwillinge (7) ): „Ich bin überrascht, wie gut uns die Ganztagsschule tut.“
„Als wir unsere Zwillinge eingeschult haben, war ich fix und fertig. Irgendwie waren sie ja doch noch so klein…. Würden sie das alles packen? Besonders Sorgen bereitete mir, dass sie durch unsere Jobs bis zum Nachmittag in der Schule bleiben mussten. Mein Mann arbeitet in Schichten, ich täglich bis 15 Uhr. Zum Glück arbeite ich direkt neben der Schule, so dass ich um zehn nach drei dort bin. Ich war nur so froh, dass die beiden sich einander haben. (Anm. d. Red.: Hier lest ihr, ob Zwillinge im Bauch wirklich schon eine besondere Bindung haben.)
Aber was soll ich sagen: Nach einer wirklich minimalen Umstellungsphase haben wir das Ganztagesangebot lieben gelernt. Wir wissen unsere Kinder gut untergebracht und sie sind wirklich happy dort. Die Schule setzt das aber auch ganz wunderbar um. Bis 13 Uhr ist Unterricht, dann Mittag. Und dann werden in einer Dreiviertelstunde Hausaufgaben erledigt – oder die Kinder können sich ganz in Ruhe nochmal Sachen aus dem Unterricht erklären lassen, die sie nicht verstanden haben. Danach können sie frei spielen oder eines der tollen Angebote besuchen: Chor, Fussball, Basteln… Die Erzieher denken sich immer was Neues aus.
Und dann hole ich meine beiden Chaoten um kurz nach drei ab, sie sind (meist) bester Laune und haben frei. Die Hausaufgaben sind erledigt, sie haben sich schon ordentlich ausgetobt und wir können unseren Nachmittag genießen.
Ich hätte es niemals gedacht, aber wir sind tatsächlich Fans geworden.“
Jetzt seid ihr dran: Gehen eure Kinder in den Ganztag?